Dein Nervensystem entscheidet mehr als jede Technik
- SHAMAN HORSE

- vor 4 Tagen
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Es gibt Zeiten, da wird alles lauter, bevor es leiser wird. Der September fühlt sich für mich genau so an, und ich vermute, dir geht es ähnlich, an dir selbst und an deinem Pferd.
Deshalb widme ich diesen ganzen Monat einem Thema, das so ziemlich alles betrifft, was zwischen euch beiden passiert: dem Nervensystem. Nicht als trockener Fachbegriff, sondern als das, was tatsächlich entscheidet, ob ihr beide zur Ruhe kommt oder nicht.
Ich zeige dir drei Ebenen, auf denen sich das zeigt, mit echter Forschung dort, wo es sie gibt, und mit meiner eigenen Erfahrung dort, wo die Wissenschaft aufhört.
Du findest auch Beträge zu diesem Thema auf meinen Social Media Kanälen:
Es liegt am Nervensystem, nicht an dir und nicht an deinem Pferd
Ja, und das soll keine einfache Ausrede für alles mögliche sein, sondern ist auch meiner Erfahrung nach, das häufigste Stolpersteinchen, wenn Pferd oder Frauli oder beide aus der Balance gefallen sind. Aber lass uns breiter drauf schauen:
Du hast schon so viel probiert. Verschiedenste Übungen, andere Trainingsansätze, vielleicht auch schon eine andere Fütterung oder einen anderen Sattel. Und trotzdem bleibt da dieses Gefühl, dass etwas zwischen dir und deinem Pferd nicht ganz zur Ruhe kommt. Wenn du mich fragst, liegt das eben öfter am Nervensystem, als den meisten von uns bewusst ist. Nicht als Ausrede, sondern als der Ort, an dem tatsächlich entschieden wird, ob ihr beide entspannen könnt oder nicht.
Diesen Monat widme ich genau diesem Thema, auf drei Ebenen, die zusammengehören, auch wenn man sie selten gemeinsam betrachtet sieht. Die körperliche Ebene, den Körper deines Pferdes und was er wirklich braucht. Die Ebene der Verbindung, was zwischen euch beiden passiert, wenn ihr euch begegnet. Und die energetische Ebene, dort, wo Wissenschaft langsam an ihre Grenzen kommt und meine eigene Erfahrung anfängt.
Ich zeige dir alle drei so ehrlich wie möglich, mit klarer Kennzeichnung, was belegt ist und was meine persönliche Deutung und Erfahrung ist.
Schwache Nerven?

Wenn dein Pferd aus der Ruhe kommt
Dein Pferd ist ein Fluchttier. Das klingt banal, weil du es natürlich längst weißt, aber die Konsequenzen davon unterschätzen die meisten von uns trotzdem. Sobald eine Gefahr wahrgenommen wird, real oder nur vermutet, aktiviert sich das sympathische Nervensystem deines Pferdes, die Herzfrequenz steigt, kurz danach folgt eine Cortisol- Ausschüttung.
Das ist keine Charakterschwäche und kein Trainingsfehler, das ist eine jahrtausendealte Überlebensstrategie, die einfach immer noch aktiv ist, auch auf der sichersten Weide.
Was viele nicht wissen: Dieses System kippt nicht nur bei akuter Gefahr aus der Balance. Es kippt auch bei chronischem, alltäglichem Stress, und der entsteht oft ganz unspektakulär, durch die Haltung selbst.
Die Forschung dazu ist inzwischen ziemlich eindeutig. Eingeschränkter Kontakt zu Artgenossen hängt nachweislich mit höherem Stresslevel zusammen, einzeln gehaltene Pferde zeigen dauerhaft veränderte Stresshormonwerte. Fehlender Weidegang und zu wenig Rohfaser erhöhen das Risiko für Stereotypien wie Koppen oder Weben, für Magengeschwüre und für ein Nervensystem, das kaum noch in den Ruhezustand zurückfindet. Freiheit, Herde, Futter sind deshalb keine netten Extras, sie sind die Grundausstattung für ein Nervensystem, das überhaupt erst in der Lage ist, sich zu regulieren.
Wenn ich das energetisch betrachte, sehe ich da noch eine weitere Ebene. Ein Pferd, das artgerecht leben darf, wirkt für mich nicht nur körperlich entspannter, sondern auch spürbar offener, präsenter, als hätte es mehr Raum, um wirklich da zu sein, statt nur zu funktionieren. Das ist meine eigene Wahrnehmung aus der Arbeit mit Pferden, keine gemessene Tatsache, aber es deckt sich für mich sehr genau mit dem, was die Forschung über artgerechte Haltung zeigt.
Wenn zwei Nervensysteme sich begegnen

Du kennst diesen Moment am Zaun, in dem sich dein Atem verändert, ohne dass du bewusst etwas dafür tust. In meinem Artikel „Zwei Herzen, ein Feld", hatte ich das schon angedeutet, hier gehe ich noch etwas tiefer hinein.
Mensch und Pferd können sich nachweislich gegenseitig physiologisch beeinflussen, über Herzfrequenz und Herzratenvariabilität, gemessen unter anderem in der Forschung zu Herzfeldern und in neueren Studien zur wechselseitigen Modulation eurer beiden Herzrhythmen.
Was dabei oft übersehen wird: diese Co- Regulation ist keine Einbahnstraße, und sie ist auch kein Automatismus. Dein Pferd kann dich nur dann mitregulieren, wenn dein eigenes Nervensystem selbst einigermaßen in Balance ist. Ist dein System dauerhaft im Alarm, weil dir im Alltag gerade alles zu viel ist, entsteht zwischen euch eher gegenseitige Anspannung als Ruhe.
Das ist übrigens auch beim Menschen selbst so verankert. Unser eigenes autonomes Nervensystem wechselt genau wie das des Pferdes zwischen einem sicheren, entspannten Zustand und Alarmzuständen. Und der Vagusnerv, der Gehirn, Herz und Gesicht verbindet, spielt dabei bei uns, wie beim Pferd eine zentrale Rolle. Es gibt Modelle dazu, etwa die polyvagale Theorie, die in der Praxis sehr hilfreich sind, auch wenn einzelne Annahmen darin unter Fachleuten noch diskutiert werden. (Dazu an anderer Stelle mehr...) Ich nutze sie als Orientierung, nicht als letzte Wahrheit.
Für mich persönlich ist das der eigentliche Kern von Verbindung. Nicht die perfekte Übung, nicht die richtige Technik, sondern zwei Nervensysteme, die sich wirklich aufeinander einlassen können, weil beide Seiten bereit dazu sind. Ich erlebe das oft als eine Art stilles Gespräch, das über Worte hinausgeht, dein Pferd spürt, ob du wirklich da bist oder nur körperlich anwesend.
Wo Energiearbeit anfängt und wo sie an Grenzen stößt

Berührung, ruhige Präsenz und fokussierte Aufmerksamkeit verändern messbare Werte wie Herzratenvariabilität, Hautleitfähigkeit und in manchen Studien auch Cortisol, in Richtung einer parasympathischen, also entspannten Reaktion.
Verschiedene Übersichtsarbeiten zu sogenannten Biofeldtherapien finden solche physiologischen Veränderungen, allerdings mit gemischten Ergebnissen und oft methodischen Schwächen, sodass die Fachwelt hier zu Recht vorsichtig bleibt. Was sich davon durch echte energetische Prozesse erklärt und was schlicht durch Entspannung, Berührung und Aufmerksamkeit an sich erklärt wird, ist wissenschaftlich noch offen.
Und hier beginnt meine eigene, persönliche Ebene. Ich arbeite seit Jahren mit Energiemedizin, an mir selbst und mit meinen Pferden, und ich erlebe dabei Dinge, die sich für mich sehr real anfühlen, auch wenn nicht alles beweisbare Wissenschaft ist. Für mich ist Energiearbeit eine Art, mein eigenes Nervensystem gezielt in einen ruhigeren Zustand zu bringen, bevor ich überhaupt zu meinem Pferd gehe. Und ich weiß, dass meine Pferde diesen Unterschied spüren, lange bevor ich ein Wort sage oder eine Übung beginne. Ob man das nun Energie nennt oder schlicht ein sehr reguliertes Nervensystem, das sein Pferd erreicht, überlasse ich dir. Beides schließt sich für mich nicht aus.
Was das für dich und dein Pferd bedeutet?
Alle drei Ebenen greifen ineinander. Ein Pferd, das artgerecht lebt, hat die körperliche Grundlage, um überhaupt regulieren zu können. Ein reguliertes eigenes Nervensystem öffnet dir erst den Zugang zu echter Verbindung. Und manches, was sich wie Energiearbeit anfühlt, ist am Ende genau diese Verbindung, nur mit einem anderen Namen. Du musst nicht alle drei perfekt beherrschen. Es reicht, zu wissen, dass sie zusammenhängen, und selbst zu spüren, wo du gerade stehst.

Wenn du magst, starte mit meinem Balance Check und finde heraus, wo du und dein Pferd gerade steht, und komm gern in Kontakt mit mir, ich freue mich auf den Austausch mit dir.
Quellen (Stand der Recherche): Fachliteratur und Studien zum autonomen Nervensystem bei Pferden und dessen Rolle bei Fluchtreaktionen, Forschung zu artgerechter Haltung (Freiheit, Herde, Futter) und deren Zusammenhang mit Stresshormonen und Stereotypien, Studien zur Herzratenvariabilität und Koregulation zwischen Mensch und Pferd, sowie aktuelle Übersichtsarbeiten zu Biofeldtherapien und deren gemischter Evidenzlage.
Equine Behavioural and Physiological Responses to Auditory Stimuli, veröffentlicht in PMC, zur sympathischen Aktivierung des Nervensystems bei Fluchtreaktionen von Pferden.
„Friends, forage, freedom: A cluster analysis investigating horse management styles and welfare in the UK and Ireland", Animal Welfare Journal, Cambridge Core, zum Zusammenhang zwischen artgerechter Haltung und Stresslevel. Hama, Yogo, Matsuyama, Studie zu Herzfrequenzreaktionen beim Streicheln von Pferden, Japanese Psychological Research, 1996.
Proops, Grounds, Smith, McComb, Studie zum Gedächtnis von Pferden für menschliche Gesichtsausdrücke, Current Biology, 2018. Rubik, „The biofield hypothesis: its biophysical basis and role in medicine", Journal of Alternative and Complementary Medicine, 2002.
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